Auszug aus print and publishing
Umdenken im Service
1. PHS Anwenderforum in Österreich
Der Wandel der Druckbranche hat nicht nur Auswirkungen auf bisher bewährte Geschäftsmodelle, sondern erfordert von Dienstleistern wie Druckereien gleichermaßen auch ein Umdenken in punkto Service- und Retrofitmaßnahmen. Mitte Juni trafen sich deshalb in- und ausländische Vertreter namhafter Zeitungs- und Rollenoffsetdruckereien zum ersten österreichischen PrintHouseService (PHS) Anwenderforum bei der Styria Print Group in Graz. Neben dem Unternehmen selbst wurde vor allem das Leistungsspektrum der KBA-Tochtergesellschaft vorgestellt.

Nach der Begrüßung durch Gastgeber Mag. Kurt Kribitz, Geschäftsführer der Styria Print Group und den einführenden Worten von Gunter Lindner, PHS-Repräsentant für Österreich, widmete man sich der Vorstellung der Servicegesellschaft für die Druckbranche sowie der Präsentation des herstellerübergreifen Leistungsspektrums, das von Versandraumtechnik und von Low-Level bis High-Level Serviceleistungen reicht. Unter den interessierten Zuhörern fanden sich unter anderem Ferdinand Berger, Druckerei Berger, Franz Tinnacher, Leykam-Let s Print, Ulrich Müller, Herold Druck, Gerhard Schmidtrathner, Niederösterreichisches Pressehaus sowie Vertreter des Druckhauses Nürnberg als auch der Passauer Neue Presse.

Die PHS wurde Anfang 2012 als hundertprozentige Tochtergesellschaft der Koenig & Bauer AG gegründet. Dieser Schritt war gleichermaßen nötig wie mutig. Unterstellen könnte man dem Unternehmen natürlich, dass ihnen die Insolvenz von manroland im selben Jahr in die Hände spielte, die ein Vakuum hinsichtlich Service und Instandhaltung entstehen ließ. Alexander Huttenlocher, Vertriebsdirektor der neu geschaffenen Geschäftseinheit KBA-Digital & Web Solutions, betonte im Rahmen des Anwenderforums, dass die Pläne zur Gründung bereits vor der Insolvenz von manroland diskutiert wurden, und von Seiten des Marktes – insbesondere in Norddeutschland – großer Bedarf signalisiert wurde. Gastgeber Kribitz lobte den Mut des Unternehmens, in die Konsolidierungsphase hinein ein Unternehmen zu gründen. Dieser Schritt wurde belohnt – und nicht nur von der Styria Print Group, die zu einem der ersten Kunden zählte. Im Dezember 2013 wurden in einer beeindruckenden Aktion, die Schmitzringe an sechs H-Druckwerken von Zeitungsrotationen des Typs MAN Colorman gewechselt: reibungslos innerhalb der Rekordzeit von sechs Wochen, an deren Ende dafür 54 perfekt funktionierende Zylinder standen (wie in PRINT & PUBLISHING Ausgabe 213 berichtet). Einen Eindruck von der Größenordnung des Projektes vermittelte auch die an die Präsentationen angeschlossene Betriebsbesichtigung.

Ein Mitgrund für diese kleine logistische Meisterleistung, ist zweifelsohne die Firmenstruktur. Als Tochter der KBA hat PHS Zugriff auf das gesamte Spektrum des Druckmaschinenherstellers. Zum einen bedeutet dies, dass das Unternehmen durch den Zugang zu Netzwerken und Verkaufsplattform des Druckmaschinenherstellers seine Servicedienstleistungen global anbieten kann. Wichtiger für Anwender und Kunden, ist jedoch die Tatsache, dass somit auch eine enge Zusammenarbeit mit den Konstruktionsabteilungen der Muttergesellschaft gewährleistet ist. Dadurch ist PHS in der Lage auch kurzfristig komplizierte Ersatzteile zu fertigen. Die Ersatzteildatenbank des Unternehmens ist mittlerweile auf 15.412 unterschiedliche Produkte angewachsen, die unter der gleichen Sachnummer wie jene der Originalhersteller auffindbar sind, was rechtskonform ist und dem Kunden die Suche erleichtert. Bei Retrofitmaßnahmen ist die rechtliche Lage etwas komplizierter. Hier setzt PHS auf einen Komplettaustausch der Steuerungssysteme, da Eingriffe und Modifikationen bereits bestehender Software ohne explizite Genehmigung nur durch den Eigentümer der Software – also in der Regel den Maschinenhersteller – vorgenommen werden dürfen.

Dipl. Ing. Stefan Heßler, Geschäftsführer der PHS, erläuterte in diesem Zusammenhang auch die Aspekte des Industrieservices, der Personaldienstleistungen sowie die unterschiedlichen Wartungskonzepte.

PHS beschäftigt derzeit 32 Mitarbeiter – allesamt Spezialisten mit 20 bis 40 Jahren Erfahrung auf ihrem Gebiet. Die Stärke liegt nicht nur in der Expertise, sondern auch im Zusammenspiel des Teams. Falzrevisionen etwa werden von sechs Mann starken Teams übernommen, die die Stillstandzeit der Maschine zur kompletten Rundumwartung nützen.


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v.l.n.r.: Dipl. Ing. Christian Wilms, Betriebsleiter Styria Group, Graz; Gunter Lindner, KBA und PHS Repräsentant Österreich; Ferdinand Berger, Geschäftsführender Gesellschafter Druckerei Berger; Ing. Gerhard Schmidrathner, Geschäftsführer Niederösterreichisches Pressehaus (NÖP).