Märkisches Verlagshaus erneuert seinen Maschinenpark

Frankfurt (Oder) (MOZ) Die Haltegurte am Haken des Autokrans baumeln im Wind über der Druckhalle. Es ist die scheinbare Ruhe vor dem Sturm. Nicht nur Kranführer Roland Kühner wartet seit Stunden auf die Schwerlasttransporter, die sich nur langsam aus dem fast 800 Kilometer entfernten, badischen Weingarten an die polnische Grenze vorschieben und dem exakt geplanten Zeitfenster hinterher schleichen. "Die Fahrer müssen ihre Ruhezeiten einhalten, außerdem brauchen wir eine Traverse, um die Last an den Kran zu hängen - auch die ist noch unterwegs und befindet sich ausgerechnet im letzten Lkw, der Baden-Württemberg verlassen hat", begründet Druckereichef Stefan Mischke die Verzögerung.
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Baukastenprinzip: Passgenau wird ein Trichter auf das Falzwerk gesetzt. © Michael Benk
Beladen sind die Laster mit vier jeweils 28 Tonnen schweren Druckeinheiten und einer Menge Zubehör, die Kranführer Kühner am Donnerstagvormittag über ein quadratisches Loch ins Hallendach einschwenkt - mehr oder weniger blind. Denn der Mann im Kran lässt sich von seinem Kollegen Stefan Böttcher per Sprechfunk dirigieren, als das erste Modul Zentimeter für Zentimeter im Zeitlupentempo immer tiefer ins Halleninnere eintaucht und dort später mit einem Hydraulikkran in die richtige Position gebracht wird.

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Das Druckhaus bekommt eine neue Druckmaschine.
© MOZ/Frank Lorenz

Vier Mal wiederholt sich diese Szene - noch vor Einbruch der Dunkelheit ist alles unter Dach und Fach - und der Druckereistandort Frankfurt (Oder) für mindestens weitere zehn Jahre gesichert. Dessen Zukunft war lange Zeit ungewiss. "Es war eigentlich geplant, die Druckerei in Frankfurt (Oder) aufzugeben und anderswo zu drucken, aber das hätte auch den Verlust von rund 50 Arbeitsplätzen bedeutet", sagt Andreas Simmet, Geschäftsführer des Märkischen Verlags- und Druckhauses. Diese Gefahr ist nun gebannt. In Absprache mit der Neuen Pressegesellschaft Ulm sei diese Investitionsentscheidung gefallen. Die Zeitung werde farbiger und qualitativ besser. "Das ist ein gutes Signal für das Produkt Zeitung", würdigt auch Frank Mangelsdorf, Chefredakteur der "Märkischen Oderzeitung", die Investition in Frankfurt (Oder). Den Lesern der Tageszeitung stellt er besonders eine verbesserte Optik in Aussicht, wenn die Neuerwerbung vom Typ Geoman in wenigen Monaten fit für den täglichen Gebrauch ist. Erste Probeläufe sind nach Aussagen von Druckereichef Stefan Mischke ab April geplant.

Projektleiter Timo Valentin von der Firma Print Haus Service (PHS) aus Würzburg ist zuversichtlich, die Maschine bis dahin zum Laufen zu bringen. "Wir sind weltweit unterwegs, selbst in Südafrika", sagt der Niederlassungsleiter aus Plauen. Der Auftrag in Frankfurt (Oder) sei für ihn und sein neunköpfiges Expertenteam durchaus eine Herausforderung. In der Druckhalle ist seit Monaten alles für die insgesamt über 200 Tonnen schwere Technik vorbereitet, vor allem Platz und der Untergrund mit einem neuen Maschinentisch aus Beton geschaffen worden. "Die neue Technik ist schwerer als die alte", sagt Mischke. Eine der drei betagten Druckmaschinen wurde bereits Ende September verschrottet. Eine weitere wird voraussichtlich ab Mai mit der Neuanschaffung gemeinsam Zeitungen am laufenden Band produzieren - von der Tageszeitung "Märkische Oderzeitung" bis hin zu den Wochenzeitungen "Märkischer Markt" und "Märkischer Sonntag". Die Verlagsgruppe, zu der auch der Oranienburger Generalanzeiger gehört, ist mit wöchentlich 1,7 Millionen Exemplaren Tages- und Anzeigenzeitungen das auflagenstärkste Medienhaus in Brandenburg.

Leistungsfähiger ist nach Aussagen von Geschäftsführer Simmet auch der Versand geworden. Der parallel erfolgte Umbau der Versandhalle auf zwei Linien erlaube nun das automatische Zustecken von bis zu zehn Beilagen in die Zeitungen - eine Steigerung von 50 Prozent. "Das ist vor allem für unsere Anzeigenkunden interessant", betont Simmet. Mit der Modernisierung des Druckhauses wird die lange Zeitungstradition in Frankfurt (Oder) fortgesetzt. Vor über 200 Jahren hatte Theologie-Professor Christian Wilhelm Spieker die erste Zeitung in der Oderstadt herausgegeben und übertrug 1836 Druck und Zeitung dem Verleger Carl Gottlob Trowitzsch. Der gab der Tageszeitung später den Namen "Frankfurter Oder-Zeitung" und vergrößerte das Verbreitungsgebiet mit den Jahren in Richtung Berlin und Cottbus.